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ein_kreis schliesst sich

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15/06/61 | Walter Ulbricht
Haus der Ministerien

Flemming/Koch S. 33
O-Ton Link O-Ton Ulbricht*

09/11/89 | Günter Schabowski Internationales Pressezentrum

Flemming/Koch S. 115
O-Ton Link O-Ton Schabowski**

 

Beginn und Ende der Geschichte der Mauer werden von missglückten Pressekonferenzen markiert.



1961 - 1989_berlin ist geteilt

Von 1961 bis 1989 durchzog ein schmaler Streifen Berlin, der nur von den Grenztruppen der DDR betreten werden durfte. Andernfalls galt die Anweisung des Politbüros vom 22. August 1961, "daß jeder, der die Gesetze unserer Deutschen Demokratischen Republik verletzt, auch - wenn erforderlich - durch Anwendung der Waffe zur Ordnung gerufen wird."
Dieser sogenannte "Todesstreifen" umgab in unterschiedlicher Breite ganz Westberlin. Die Regierung der DDR deklarierte diese Grenze als "antifaschistischen Schutzwall", der die Bürger der DDR und Ostberlins vor feindlichen Übergriffen und Provokationen schützen sollte.
Der Aufbau der mit der Zeit immer perfekter funktioniernden Grenzanlage macht allerdings deutlich, dass sich der "Todesstreifen" nicht gegen westliche Invasoren wandte, sondern gegen das eigene Volk, - oder vielmehr gegen diejenigen Bürger, die ein schweres Verbrechen in der ehemaligen DDR begehen wollten: "R e p u b l i k f l u c h t" wurde mit bis zu acht Jahren Haft geahndet.

Obwohl nach der Wende die Grenzanlagen schnellstmöglich abgebaut wurden, gibt es mehr Mauer Reste, als man auf den  ersten  Blick sieht.
Der Spaziergang an der Bernauer Straße, welche die Bezirke Mitte und Wedding trennt, stellt die zahlreichen noch vorhandenen Reste der ehemaligen Grenzanlage vor.


die_anfänge

Walter Ulbricht antwortete am 15. Juni 1961 auf die Frage einer Journalistin, ob eine "Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet" werde: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Damit war der Begriff "Mauer" erstmals gefallen und die reale Mauer wurde nur zwei Monate später gebaut.

Schon seit Mai 1952 war die Grenze zwischen der BRD und der DDR verschlossen - eine Reaktion der DDR auf die durch den Deutschlandvertrag manifestierte Souveränität der Bundesrepublik. In Berlin wurden die Übergänge zwar
kontrolliert, doch konnte man mit der S-Bahn problemlos - natürlich ohne Gepäck - die Systemseite wechseln So taten es tausende von "Grenzgängern" täglich, wenn sie zu ihrer Arbeitsstelle im anderen Teil der Stadt gingen oder fuhren.

Nach dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juli 1953 wurden die Übergänge zwischen den westlichen und östlichen Sektoren Berlins gänzlich geschlossen - allerdings nur für einige Tage.
Auch als in der Nacht zum 13. August 1961 die Grenzübergänge geschlossen wurden, hoffte man zunächst noch auf ein kurzes Zwischenspiel - es dauerte schliesslich fast 30 Jahre bis zum Fall der Mauer im November 1989.



der eiserne_vorhang

Der Wettbewerb der Systeme im Kalten Krieg schien sich in den Augen zahlreicher DDR-Bürger für den Westen entschieden zu haben. Jedenfalls flohen über 2,5 Millionen Menschen von 1949-1961 in den Westen Deutschlands. Historiker nennen dies die "Abstimmung mit den Füßen". Die Aufnahmelager in West Berlin, wo die Flucht in die BRD per S-Bahn möglich war, nahmen im August 1961 täglich bis zu 1.926 Ausreisewillige auf.
Die bedrohlich steigenden Zahlen und die Tatsache, dass immer mehr führende Köpfe unter denen waren, die der DDR den Rücken kehrten, veranlassten die Regierung der DDR dazu, den jungen Erich Honecker mit einem Geheimauftrag zu betrauen: der Abriegelung der Grenzen.

In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 wurden die Sektorengrenzen mit Stacheldrahtrollen und provisorischen Barrikaden gesichert. Volkspolizisten, Teile der Nationalen Volksarmee und SED-Kampftruppen hatten nach der Alarmierung um Mitternacht das logistisch aufwendige Unterfangen begonnen. Der S- und U-Bahnverkehr zwischen den Sektoren wurde unterbrochen, Telefonleitungen stillgelegt.

Gerade in den ersten Tagen und Wochen gelang noch tausenden DDR-Bürgern die Flucht in den Westen. Durch den mit der Zeit immer weiter perfektionierten Aufbau der Grenzsicherung wurden Fluchten immer effizienter verhindert.
So registrierten die DDR Behörden in einem Zeitraum von fünf Jahren ab dem 01.12.1974 4956 "versuchte Grenzdurchbrüche" - darunter waren lediglich 229 "erfolgte Grenzdurchbrüche".


legale_wege über die mauer

Trotz der eisigen Feindschaft der Systeme im Kalten Krieg bemühten sich Politiker auf beiden Seiten das persönliche Leid der vom Mauerbau betroffenen Menschen zu lindern.

1963 wurde ein Passierscheinabkommen getroffen. Westberliner Bürger konnten vom 19. Dezember bis zum 5. Januar Passierscheine für Ostberlin beantragen, die einen Weihnachtsbesuch bei Freunden und Verwandten zwischen 6 Uhr morgens und 24 Uhr ermöglichten. Mehr als eine Million Passierscheine wurden ausgegeben.
Westliche Militärangehörige, Ausländer und Westdeutsche konnten jederzeit - nach Kontrollen an den Grenzübergangsstellen - nach Ostberlin einreisen.
1964 wurde Ostberliner Rentnern erlaubt Verwandte im Westen zu besuchen. Weitere Passierscheinabkommen wurden in den folgenden Jahren aufgelegt.
1971 wurde der Besuchs- und Reiseverkehr für Westberliner nach Ostberlin neu geregelt.
1973 wurde der 1:1-Mindestumtausch von West-Mark in Ost-Mark auf 10 Mark erhöht, was zu einem drastischen Rückgang von Besuchen im Ostteil Berlins führte.

Ein legales Überwinden der Grenze von Ost nach West war nur regimetreuen DDR-Bürgern möglich. Und auch das nur, wenn deren Familie im Osten auf die Rückkehr wartete.


die _mauer als politikum

Die Westmächte reagierten auf den Bau der Mauer nur mit Protestnoten. Die Bild Zeitung titelte am 16. August 1961 "Der Westen tut NICHTS".
Der Grund hierfür war die Angst vor einem Krieg. Bei einem Gipfeltreffen im Juni 1961 in Wien hatten Cruschtschow und Kennedy die Berlin-Frage diskutiert. Die Sowjets hatten schon seit 1958 den Abzug aller westlicher Truppen aus Berlin gefordert. Der Westen war allerdings keinesfalls bereit, Westberlin aufzugeben. Dies zeigte sich deutlich bei der Versorgung Westberlins über die Luftbrücke während der Blockade 1948/49.

Die Staatschefs sprachen 1961 in Wien unmissverständlich von Krieg. Cruschtschow: "...wenn Sie einen Krieg wollen, dann ist das Ihre Sache." Kennedy: "Dann wird es ein kalter Winter."

Am 14. August kommentierte Kennedy den Bau der Mauer im engsten Beraterkreis: "Eine Mauer ist verdammt noch mal besser als Krieg!"



das_ende

Wie der Beginn der Mauer wurde auch ihr Ende von einer missglückten Pressekonferenz begleitet.
Günter Schabowsky verkündete am Abend des 9. November 1989, dass von den Bürgern der DDR "Privatreisen nach dem Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen [...] beantragt werden können". Auf die Frage wann diese bis dato verwehrte Reisefreiheit in Kraft trete, antwortete er stockend: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich."

Als die Bürger der DDR davon in den Nachrichten erfuhren stiegen sie in ihre "Trabbis" und strömten zu den Grenzübergängen. Die Grenztruppen, die keinerlei Anweisungen von ihrer Regierung erhalten hatten, öffneten angesichts der Menschenmassen die Schlagbäume. Die Mauer war gefallen.


* Ausschnitt aus Internationale Pressekonferenz des Staatsrats-Vorsitzenden der DDR, Juni 1961, höre Chronik der Mauer.

** Ausschnitt aus RIAS-Reportage über Schabowskis Pressekonferenz, 9.11.1989, höre Chronik der Mauer.

 

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